Auf Basis ihrer Pendlerbefragung erhebt die AK Forderungen für den Nahverkehr in der Ostregion. Angesichts der steigenden Zahl der Pendelnden sind dementsprechende Investitionen in den Öffentlichen Verkehr nötig. Thomas Hader von der AK Wien fasst die Forderungen zusammen.

Das rasante Bevölkerungswachstum in der Ostregion schlägt sich auch beim Pendelaufkommen nieder. So ist die Zahl der Wiener Ein- und Auspendelnden im Zeitraum 2004 bis 2014 von etwas mehr als 200.000 auf über 230.000 gestiegen.

 

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Zahl der Ein- und Auspendelnden in der Ostregion und Prognose bis 2029. Grafik: Jakob Fielhauer / Quellen: Hauptverband der Sozialversicherungsträger, eigene Berechnungen

Bahnpendelpotenzial doppelt so groß

Die jahrelangen Baumaßnahmen im Zuge der Errichtung des neuen Wiener Hauptbahnhofes bedeuteten immer wieder auch Einschränkungen und Verspätungen für die Pendelnden. Mit der Eröffnung und Inbetriebnahme der neuen Infrastrukturen war nicht nur die Hoffnung auf einen reibungslosen Regelbetrieb, sondern vor allem auch jene nach einer Angebotsverbesserung verbunden. Eine Analyse des Bahnpendelpotenzials der TU Wien im Auftrag der AK Wien, Niederösterreich und Burgenland hat ergeben, dass etwa doppelt so viele Pendelnde die Bahn auf ihrem Arbeitsweg nutzen könnten als dies derzeit der Fall ist.

 

Verschlechterung des Angebots

Zum Fahrplanwechsel 2015/2016 haben die drei Arbeiterkammern die Pendelnden darüber hinaus auch zu ihren Arbeitswegen befragt. Rund 3.000 haben sich an der Befragung beteiligt, wobei etwa 2.000 von ihnen überwiegend die Bahn nutzten. Die Stammkunden der Bahn sahen das Fahrplanangebot sehr kritisch. Fast 64 Prozent waren der Meinung, dass sich das Angebot verschlechtert habe, fast zwei Drittel berichteten von längeren Zugfahrzeiten und 30 Prozent von häufigerem Umsteigen. Hintergrund des Unmutes ist auch, dass selbst geringfügige Fahrplanänderungen für viele Schwierigkeiten im Arbeitsalltag mit sich bringen, denn immerhin hat jeder zweite vom Dienstgeber fix vorgegebene Dienstzeiten.

 

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Die Befragten fordern vor allem mehr Angebot zu den Randzeiten. Grafik: Jakob Fielhauer / Quelle: AK-Pendlerbefragung 2016

Zu wenig Angebot zu den Randzeiten

 

Zur Verbesserung ihrer Situation fordern die Pendelnden mehr Angebot und mehr Pünktlichkeit. Vor allem in der Früh und am Nachmittag braucht es zusätzliche Verbindungen, wobei am Morgen die Pressburger-Bahn und die Äußere Aspangbahn besonders hervorstechen. Besonderer Handlungsbedarf zeigt sich bei der Ostbahn am Nachmittag – und bei der Pottendorfer Linie am späteren Abend (nach 21 Uhr), wo Verdichtungen generell weniger nachgefragt werden. Hier fordern 38 Prozent der Pendelnden mehr Angebot.

 

Forderung der AK: 130 Züge mehr pro Tag

Im Oktober 2016 hat die AK hat aus den bisherigen Erkenntnissen und den Ergebnissen der Befragung ein umfassendes Forderungspaket geschnürt: Vor dem Hintergrund der 2019 auslaufenden Verkehrsdienste-Verträge fordert die AK 130 Züge mehr am Tag, die Anschaffung von neuem Wagenmaterial und die Vereinfachung der Verkehrsdienste-Verträge. Der Aufwand für die Zugverbindungen des aktuellen Angebots in der Ostregion macht 330 Millionen Euro im Jahr aus. 130 Zugverbindungen mehr würden jährlich rund 20 Millionen Euro zusätzlich kosten.

 

Lkw-Maut könnte Investitionen in den ÖV finanzieren

Beim neuen Wagenmaterial geht die AK von rund 50 Millionen Euro Finanzierungsbedarf im Jahr aus, um 170 alte Garnituren möglichst rasch zu ersetzen. Hier müssen Bund und Länder mehr investieren. Aus Sicht der AK ein Grund mehr, weshalb die Länder endlich die flächendeckende Lkw-Maut beschließen müssten. Diese würde Einnahmen von rund 127 Millionen Euro für die Länder der Ostregion bringen, wobei rund 32 Millionen Euro in den Öffentlichen Personenverkehr fließen müssten. Die Einführung von Mautzuschlägen für Lärm und Abgase bei Lkw auf den Autobahnen bringt ab heuer etwa 40 Millionen Euro jährlich für den Bund. Hier ist laut EU-Vorgabe eine Zweckbindung zur Optimierung des Verkehrssystems anzustreben. Auch davon sollte zumindest ein Teil in den Bahnverkehr der Ostregion fließen.

 

Ein gemeinsamer Vertrag für die Ostregion

Aus Sicht der AK braucht es für ein gutes Angebot in der Ostregion auch Vereinfachungen bei der vertraglichen Abwicklung der Bestellungen. Derzeit gibt es vier Verträge alleine des Unternehmens ÖBB mit dem Bund und den Ländern Wien, Burgenland und Niederösterreich. Künftig sollte es einen Vertrag aus einem Guss geben, bei dem auch die Wünsche der Pendelnden stärker berücksichtigt werden müssen. Die Arbeiterkammern können nicht den Fahrplan machen, aber sie setzen sich dort ein, wo das Angebot gezielt verbessert werden muss, um den Pendelnden die Fahrt zur Arbeit zu erleichtern.

 

Thomas Hader, AK Wien

 

 

 

 

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